Wie das Eindrehen des linken Arms klappt
Oft unentdeckt bleibt die Einwärtsdrehung des linken Arms - vor allem dann, wenn in der 1. Lage mit dem Greifen der Finger begonnen wird und insbesondere dann, wenn der 4. Finger anfangs ausgespart bleibt. Mit einem besonders langen 4. Finger kann die fehlende Einwärtsdrehung oft ausgeglichen werden - bis zur 3. Lage. Danach ist in der Regel Schluss: Es muss umgelernt werden.
Mit diesem Artikel möchten wir nicht alle über einen Kamm scheren. Wir möchten auf zwei Dinge aufmerksam machen:
- Es ist relativ einfach, den Arm einzudrehen.
- Es gibt eine Verwechslungsgefahr mit einem "nach rechts gebogenen Ellenbogen".
Ausnahmen gibt es immer und das sind in diesem Fall Menschen mit sehr langen Armen, Fingern und großen Händen.
- Ein Kurzbeitrag von Angelika S. Schepke und Erdmute Maria Hohage -
Die Antwort auf die Frage, warum eine fehlende Eindrehung oft unentdeckt bleibt, ist eigentlich schon fast banal: Es fällt nicht zwingend ins Auge. Das ist besonders dann der Fall, wenn beim Beginn des Greifens in der 1. Lage, der 4. Finger ausgespart bleibt oder er keine bedeutende Rolle spielt. Mit einem besonders langen 4. Finger und einem langen Arm kann man das sehr gut ausgleichen. Wenn der Schüler oder die Schülerin dann nicht auch noch eine sehr große Hand hat, sieht man es, wenn man in der 3. Lage ist oder höher möchte. Ab dann wird das Spielen auf den tiefen Saiten und je nach physiologischen Voraussetzungen auch auf den höheren Saiten schwieriger, teilweise unmöglich und manchmal nur mit schmerzenden Kompromissen möglich.
Mit dem Eindrehen des Arms ist nicht zwingend gemeint, dass der Arm so weit wie möglich nach rechts gebogen werden soll. Galamian macht in Grundlagen und Methoden des Violinspiels auf diese Problematik aufmerksam:
"Die älteren Violinschulen verlangten von jedem Schüler, den linken Ellenbogen weit nach rechts zu biegen. Spieler mit langen Armen und langen Fingern, die diese Regel befolgten, stellten fest, daß ihre Finger eine ungeschickte Krümmung einnahmen und sich zu sehr zur G-Saiten-Seite des Griffbrettes hin neigten. Die falsche Seite der Fingerkuppe berührte die Saite, und häufig war eher der Fingernagel der Berührungspunkt als der fleischige Teil. Die unmittelbare Folge war das Auftreten einer ernsten Behinderung bei allen Arten von Fingerbewegungen und vor allem beim Vibrato. Dieses Beispiel allein genügt schon, um die Regel, daß der Ellenbogen simmer so weit wie möglich nach rechts gehalten werden soll", schlecht zu finden." (S. 24)
Das hier angesprochene "Eindrehen" des linken Arms unterscheidet sich von dem beschriebenen "Biegen" nach rechts. Zusammenfassend ausgedrückt ist der Unterschied Folgender:
- Biegen: Erst werden die Finger auf das Griffbrett aufgesetzt (die Haltung eingenommen) und dann der Ellenbogen nach rechts gebogen.
- Eindrehen: Erst wird der Arm körpernah eingedreht und dann werden die Finger auf das Griffbrett gesetzt.
Zusammenfassend kann man sagen:
- Je kürzer die Finger und die Arme sind, desto weiter sollte der Ellenbogen nach rechts, aber erst nach dem Eindrehen.
- Wenn der Arm zuerst eingedreht wird, hat man mehr Bewegungsspielraum, um den Ellenbogen an die richtige Stelle zu bringen: Er bleibt eigentlich nie unbeweglich.
Was genau die richtige Stelle ist, hängt stark von den Fingern ab. Auch hier lassen wir Galamian sprechen:
"Sie [die Finger] müssen so aufgesetzt werden, daß sie die günstigsten Voraussetzungen für ihre verschiedenen Aufgaben haben. Alles andere - Daumen, Hand, Arm - wird
dann folgerichtig die entsprechende, natürliche Haltung einnehmen." (S. 25)
Auf den Bildern oben und im nebenstehenden Video zeigen wir den Bewegungsablauf. Am besten lässt sich das Eindrehen nachvollziehen, wenn es von Anfang an erforderlich ist - beispielsweise:
- wenn direkt in der 4. Lage mit dem Greifen begonnen wird oder
- der 4. Finger in der 1. Lage eine wichtige Rolle spielt.
Die Stärke des Eindrehens kann man selbst steuern, indem man beispielsweise mit dem Abstand des Arms zum Körper experimentiert. Aus anatomischen und physiologischen Gründen kann es sinnvoll sein, sich beim Eindrehen etwas vorzubeugen. Dadurch vergrößert sich der Abstand zum Körper und man kann die Eindrehung an die persönlichen Gegebenheiten anpassen.
Weiter möchten wir noch darauf hinweisen, dass häufig auch der Komplex Stütze, Kinnhalter und Auflage auf dem Schlüsselbein angepasst werden sollte.
Auch für Umlernende und alle, die Schwierigkeiten in den Lagen oder mit der Erreichbarkeit des 4. Fingers haben: Es lohnt sich, das Eindrehen einmal auszuprobieren.
Und noch eine letzte Beobachtung zum Abschluss: Mit dem Wachstum und den körperlichen Veränderungen über die Jahre, verändert sich auch die Stärke des Eindrehens.
In diesem Sinne wünschen wir gutes Experimentieren!