Vibrato auf der Geige und Bratsche

Vibrato lernen auf der Geige und Bratsche

Wir beschäftigen uns mit der Frage, was man selber alles tun kann, um die Ausübung des "Vibratos" besser weiterzuentwickeln, und auch "besser" unterrichten zu können. Für das Erlernen und stetige Weiterentwickeln des Vibratos auf der Geige und der Bratsche, gibt es nur wenig praktische Literatur und Anregungen. Üblicherweise unterscheidet man bei den hohen Streichern zwischen unterschiedlichen Arten von Vibrato, dem Armvibrato, dem Handgelenkvibrato und dem Fingervibrato. Uns ist kein systematischer Aufbau bekannt, der alle Leistungsstufen berücksichtigt, von der Vorbereitung bis zur Professionalität.

Größte Herausforderungen

Neben der Voraussetzung einer ausreichenden Beweglichkeit in Arm, Handgelenk und Fingern gibt es zwei weitere wichtige Herausforderungen:

Flexibilität und Stabilität

Die Beweglichkeit benötigt gleichzeitig eine gute Stabilität des Fingers auf der Saite, darf also nicht zu sehr "schleudern" bzw. den Platz verlassen, da es sonst zu sehr großen Intonationsschwankungen kommt. Diese Balance zwischen Stabilität und Flexibilität sollte vom Spielenden bewusst hergestellt und entsprechend dem gewünschten Klang eingesetzt und verändert werden können.

Unabhängigkeit zwischen rechts und links

Die Geschwindigkeit des Vibrierens sollte ebenfalls bewusst gesteuert werden können, um genau die Klangfarbe erzielen zu können, die man sich vorstellt. Um dies bewusst vollziehen zu können, benötigt man eine zunehmende Unabhängigkeit zwischen der Bogengeschwindigkeit und der Vibratobewegungen. Besteht die Unabhängigkeit nicht, ruft ein schnellerer Bogenstrich automatisch eine schnellere Vibratobewegung hervor (und umgekehrt).

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Erste Ergebnisse - 2 Ansätze

Für beide großen Herausforderungen haben wir Ansätze ausprobiert und entwickelt, die wir hier zur Verfügung stellen. 

1. Ansatz für: Flexibilität und Stabilität

Die Beweglichkeit im Zusammenhang mit der Stabilität lässt sich besonders gut mit dem Griffbrettaufsatz üben. Alle Arten Vibratos profitieren von ihm. Dies liegt insbesondere daran, dass man dabei den Fingerdruck sehr leicht reduziert auf das, was wirklich notwendig ist. Damit setzt sich eine Kette der Entspannung in Gang, die sich auch auf die Arme und die Handgelenk auswirkt. Die Chancen, die sich damit verbinden:

  • Wir erlangen eine Entspannung, während wir eine Bewegung ausführen, bei der wir normalerweise nicht (so einfach) entspannen.
  • Wir reduzieren den Fingerdruck auf das Notwendige.
  • Die Form und die Konstruktion der Noppen sorgt dann für die Balance zwischen Stabilität und Beweglichkeit.

Dazu befestigt man den Griffbrettaufsatz an der bevorzugten Stelle: Für Handgelenk- und Armvibrato etwa in Höhe der 3./4. Lage, für das Fingervibrato etwas weiter zum Steg hin. Folgende Schritte bieten sich an:

  1. Zunächst ohne Bogen: Einen Finger der Wahl auf eine Noppe der Wahl legen und (sehr!) langsam beginnen, die Beweglichkeit der Noppen für sich auszuprobieren, in dem die Vibratobewegung einfach ausgeführt wird (gilt für Arm- und Handgelenkvibrato). Beim Fingervibrato kommt es entscheidend auf die Beweglichkeit des Fingerendgelenks an. Deshalb: Einfach den Finger der Wahl auf einer Noppe platzieren und zunächst (sehr!) langsam beginnen, das Gelenk nach unten zu drücken und dann wieder zurück in die Ausgangsposition zu bringen.
  2. Sobald man sich dabei wohlfühlt, kann mit der Geschwindigkeit der Bewegungen experimentieren. Wir empfehlen, dabei mental und im Nachvollziehen der Bewegungen quasi in die Bewegung selbst hineinzukriechen und genau zu erspüren, wie sich das anfühlt. An dieser Stelle passiert es häufig, dass sich der Griffbrettaufsatz vom Griffbrett loslöst. Sofern dafür nicht andere Gründe verantwortlich sind [siehe auch [Bad-Fingerboard-Day], ist häufig Grund dafür, dass zu sehr "geschleudert" wird. Die Bemühung kann also darauf gerichtet werden, dass sich der Griffbrettaufsatz dabei so wenig wie möglich bewegt.
  3. Als nächste Phase des Übens sollte der Bogen hinzugenommen werden. Hier verweisen wir auf die Publikation "Armvibrato" bzw. die Ausführungen zum Thema "Unabhängigkeit".

Drei Impressionen zur Benutzung des Griffbrettaufsatzes bei den drei Vibratoarten Armvibrato, Handgelenkvibrato und Fingervibrato. Die Videos werden auf vimeo.com gehostet und in einem neuen Fenster in Vimeo geöffnet. Sie zeigen jeweils eine kurze Sequenz, wie es aussehen kann, wenn das ResoundingFingerboard zum Einsatz kommt. Hier: ohne Bogen.

Armvibrato auf der Geige und Bratsche

Armvibrato - Impression

Fingervibrato auf der Geige und Bratsche

Fingervibrato - Impression

Handgelenkvibrato auf der Geige und Bratsche

Handgelenkvibrato - Impression

2. Ansatz für: Unabhängigkeit rechts und links

Die Unabhängigkeit zwischen rechts und links ist eine der fundamentalen Voraussetzungen für das Erlangen einer guten Spieltechnik. Will man sein Vibrato bewusst einsetzen und vor allem gestalten, kann das kontinuierliche Verbessern der Unabhängigkeit und das regelmäßige Training großartige Entwicklungsschritte bringen. Mehr 25 Jahre Experimentieren, wie das mit der Unabhängigkeit wirklich gut funktionieren kann, wurde 2021 zu einem umfangreichen Band zum Thema "Armvibrato" mit 39 Übeideen und knapp 100 Variationen. Die Autorin Erdmute Hohage legt den Fokus der Übeideen auf die Unabhängigkeit zwischen beiden Seiten im Zusammenhang mit sämtlichen Anwendungen des Vibratos und thematisiert insbesondere:

  • Durchvibrieren (allgemein)
  • Vibrato und Lagenwechsel
  • Doppelgriffvibrato
  • Fingerwechseln beim Vibrieren

Es werden Vorübungen aufgezeigt, die man vorbereitend mit Schülern machen kann, auch ohne direkten Bezug zum Vibratolernen. Es werden aber auch Ideen gezeigt, die Spielende machen können, wenn sie schon über viele Jahre hinweg vibrieren. Viele Ideen lassen sich einfach auch auf andere Vibratoarten (und auch auf andere Spieltechniken) übertragen. Eine zunehmende Verbesserung der Unabhängigkeit geht immer einher mit bewusst gesetzten Bewegungen.

Da es leider keinen Knopf gibt, auf dem man einfach drücken kann, um plötzlich unabhängig zu sein, und der Weg erfahrungsgemäß viel Training von einem abverlangt, ist Ziel der Sammlung, Ideen anzubieten, wie einiges erleichtert werden kann. Auch wenn man es unbedingt "will", heisst es ja noch nicht, dass es einfach geht. Manchmal bieten sich hier "Ablenkungen" an, die jedoch mehr als eine Ablenkung sind: Fast alles bezieht den ganzen Körper mit ein.