Rhythmus lernen

Rhythmus Lernen

Rhythmus Lernen und das Verbessern und Erlernen der Instrumentaltechnik möchten wir sinnvoll miteinander kombinieren. Ausgangspunkt ist die Erfahrung, dass es wirklich gut ist, wenn man einen Rhythmus korrekt klopfen oder klatschen kann, dass dies jedoch häufig nicht ausreicht. 

 

Rhythmusstabilität und Koordination

Dies bedeutet jedoch nicht, dass ein Rhythmus dann auch korrekt mit/auf dem Instrument gespielt werden kann oder eine Rhythmusstabilität im Zusammenhang mit der Instrument und der Spieltechnik entsteht. Auch bedeutet dies noch nicht, dass sich die notwendige Koordination zwischen rechts und links entwickelt. 

Unser Ansatz

Rhythmus Lernen verbinden wir mit der Bemühung herauszufinden, wie dies mit der Entwicklung der Instrumentaltechnik sinnvoll kombiniert werden kann. Unser Anspruch ist dabei, methodenübergreifend Ideen zu entwickeln, die möglichst alle Leistungsstufen berücksichtigen. Dass Rhythmus Lernen und auch das stetige Üben und Verbessern gleichzeitig möglich ist mit dem Aufbau einer anspruchsvollen Spieltechnik, haben wir in einem kurzen Warm-Up 2021 und in einer systematischen Ausarbeitung 2022 dargelegt.

Ja, es geht! Erste Zwischenergebnisse für Geige, Bratsche und Klavier

Erste Zwischenergebnisse liegen vor. Wir haben einen Ansatz entwickelt, der Rhythmus lernen und Rhythmus üben direkt mit der Instrumentaltechnik verknüpft. Erdmute Hohage hat dazu auf eine Erfahrung aus dem Jahre 2011 zurückgegriffen und jetzt das Linke-Hand-Pizzicato als Übetechnik für Geige und Bratsche systematisiert ausgearbeitet. Angelika S. Schepke hat in diesem Zusammenhang experimentiert, wie Klavierspielende vorgehen können, um ähnliche Effekte zu erzielen. Beide Ansätze haben gemeinsam, dass das unmittelbare Tun mit dem Instrument ein wichtiger Schwerpunkt ist, ebenso wie die Aktivität des ganzen Körpers. Auch war es uns wichtig, dass es eine unmittelbare Übertragbarkeit auf Stücke, Werke oder Passagen gibt, hier also notwendigerweise keine Trennung vollzogen werden muss.

Der Ansatz für Violine und Viola

Mittels Zupfen mit den Fingern der linken Hand wird eine Koordination zwischen den Fingern aufgebaut. Grundlage dafür sind notierte Rhythmen. Das Zupfen ist, anders als beim Linke-Hand-Pizzicato als Spieltechnik, hier bei der Übetechnik ein leichtes Zupfen mit weniger Fingerdruck. Je nach Leistungsstufe kann man dafür einstimmige, zweistimmige, dreistimmige und/oder vierstimmige Rhythmen auswählen, mit einem, zwei, drei und/oder vier Fingern. Hier sollte einem klar sein, dass das Koordinieren ab dem Zeitpunkt beginnt, dass man zwei Parameter miteinander in Beziehung setzt. Da dies für Anfänger viel zu schwer wäre und die Grundkoordination Finger, Saite und Rhythmus erst einmal angelegt werden müsste (zumindest in vielen Fällen), wird bereits so eingeführt, dass zu einem etwas späteren Zeitpunkt, zwei Parameter leichter unabhängig von einander ausgeführt werden können. Ergo: Man beginnt synchron. Bereits hier wird das ganze Griffbrett benutzt bzw. kann das ganze Griffbrett miteinbezogen werden. Entweder durch Lagenwechsel oder durch das separate Üben an unterschiedlichen Positionen, die in Pizzicato-Welt Violine und Viola, dem umfangreichen Übungsbuch, mit vier Farben dargestellt werden.

Koordination

In dem Moment, wo ein zweiter unabhängiger Parameter hinzukommt, der ebenfalls von einem selbst ausgeführt wird, findet die angestrebte Koordination statt: Sie wird von einem selbst hergestellt. Nicht gemeint ist z.B. ein Metronom, gegen das man nun anspielt, das wäre ein Parameter von außen. Der vorliegende Ansatz bietet für die tägliche Praxis hier unterschiedliche Möglichkeiten. Die Koordination kann erfolgen:

  • zwischen den Fingern der linken Hand (2-, 3-, 4-stimmige Rhythmen)
  • zwischen einem Finger/mehreren Fingern der linken Hand und dem Bogen
  • zwischen einem Finger/mehreren Fingern der linken Hand und den Füßen

Wie man nun als Übender oder Unterrichtender im Einzelnen vorgeht, bleibt einem selbst überlassen. Pizzicato-Welt Violine und Viola bietet einen systematischen Aufbau in ingesamt 40 Übungen, der in allen Leistungsstufen verwendet werden kann. Der Schwierigkeitsgrad wird nicht alleine durch Wahl der zu koordinierenden Parameter bestimmt, sondern auch durch die Wahl der Rhythmen. Vom Anspruch her gibt es also nach oben hin keine Grenzen. Das Heft bietet eine kleine Auswahl an Rhythmen und verlinkt über QR-Codes zu größeren Sammlungen. Jedoch kann jeder seine eigenen Rhythmen anwenden. 

Werke, Passagen, Stücke

Die angebotenen Rhythmen dienen in erster Linie der systematischen Verbesserung. Besonders intensiv und effektiv wird es, wenn man das Prinzip auf gerade zu übende Passagen anwendet, also einen Takt, eine Phrase o.ä. herausnimmt und auf diese Weise übt. 

Instrumentaltechnik

Die Instrumentaltechnik wird dadurch allgemein stark verbessert. Zeitgleich ist eine Sammlung an Übeideen entstanden, wie auch ganz bestimmte instrumentaltechnische Aspekte.

Allgemein

Die Finger der linken Hand lernen loszulassen, werden durch das Pizzicato gekräftigt und durch die Verbindung der vier Positionen lernt man nebenbei auch noch die Grundbewegung des Lagenwechsels. Das Allerwichtigste: Die Angst vor Lagenwechseln wird genommen, der Wechsel zwischen den Saiten wird an sogleich überschaubaren wie herausfordernden Einheiten geübt. Es entsteht kein Druck, dass das Lied jetzt schon schön klingen muss und die Koordination zwischen rechts und links wird wie selbstverständlich, ohne Anspruch an eine bestimmte Intonation, mit viel Spaß geübt. Und: Der ganze Körper bekommt die Möglichkeit, involviert zu werden.

Mit links verbessern

Die Sammlung zeigt explizit auf, wie man auf Grundlage des Linke-Hand-Pizzicato als Übetechnik Tonleitern üben, wie man seine Geläufigkeit steigern und wie man Saitenwechsel verbessern kann. Weiter bietet sie Einblicke in den Transfer auf die Intervalltechnik (Intervalle als Doppelgriffe) und die Akkordtechnik. Ebenfalls wird ausführlich beschrieben, wie man den Übergang zum Linke-and-Pizzicato als Spieltechnik gestalten kann. Zur Sammlung im StudioTSNH