Von der Rolle profitieren

Ein effektiver Weg, während des Übens für Entspannung zu sorgen, führt über den Einsatz von kleinen Noppenmassagerollen: Während man spielt, massieren die Rollen durch Vor- und Zurückbewegen der Beine die Fußsohlen. Das lässt sich im Sitzen mit ein oder zwei Rollen und im Stehen mit einer Rolle praktizieren.

Grundsätzlich lässt sich das "einfach so" machen, also unabhängig von konkreten Vorhaben. Man nimmt zwei Rollen und bewegt sie unabhängig eines Metrums vor und zurück. Jedoch bietet es sich an, diese Entspannung bewusst in das konzentrierte Üben mit einzubauen und dabei viele Vorteile mitzunehmen:

  • Rhythmusstabilität, das
  • Verinnerlichen von Rhythmus, das
  • Verinnerlichenvon musikalischen Phrasen oder auch
  • Koordinationsfähigkeit und
  • Konzentrationsfähigkeit.
Für Fortgeschrittene

In einem kurzen >>Video<< zeigt Wei, wie Fortgeschrittene von dieser Technik profitieren können: Phrasierungen werden kombiniert mit Rhythmusstabilität und Spielfluß. 

Führen der Rollen

Idealerweise wir die Fußrolle über den ganzen Fuß geführt, von den Zehenspitzen bis zur Ferse. Dabei können die Füße parallel und gegenläufig bewegt werden. Wichtig beim Führen der Fußrollen ist, dass die Geschwindigkeit über den gesamten Weg hinweg möglichst konstant bleibt. 

Von Anfang an dabei ...

Laura ist hier in ihren ersten Bratschenstunden zu sehen. Sie lernt von Anfang an, Bogen, Hände und Füße zu koordinieren.

Vorteile für "bewegungsfreudige" Kinder

Wir haben bei mehreren Kindern und Jugendlichen beobachtet, dass sie sich mit den Rollen sehr viel besser und vor allem länger konzentrieren können. Einige der Kinder waren einfach "bewegungsfreudig" und anderen wurde ADHS diagnostiziert. Dies ermöglichte einigen dieser Kinder auch, mit anderen auf hohem Niveau gemeinsam in einem Kammermusikensemble zu spielen, was ohne diesen Einsatz undenkbar gewesen wäre.

Wir können keine Aussagen darüber treffen, ob das die "Massage" an sich hervorbringt, ob das die zeitgleiche Ausführung der Bewegung ist, die man selbst sehr gut spürt oder ob andere Gründe dafür verantwortlich sind.

Wir selbst kamen vor einigen Jahren auf die Idee, solche Rollen einzusetzen. Für uns war es damals zunächst DIE Lösung für unser (Zeit-)Problemchen ... . Dass wir später die Rolle zu einem wichtigen Helfer machen würden, war nicht geplant. Auch ahnten wir nicht, was man mit diesen Rollen alles würde anstellen können. 

... kurz nacherzählt

Wir legten eine Rolle unter die Füße, zunächst beim Spielen im Stehen und rollten diese einfach vor und zurück. Dann weiteten wir das auf unsere Schüler aus, schließlich auch auf Pianisten und integrierten es in den Kammermusikunterricht. Es war wunderbar! Alle meldeten zurück, dass es sich so "warm" anfühlen würde und es zu einem positiven Spielgefühl beitragen würde. Die meisten wollten nur noch mit den Rollen unter den spielen, wir haben uns dabei nicht viel gedacht.

Doch eines Tages kam eine Anfrage für ein ziemlich kurzfristiges Konzert. Im Duo hatten wir bereits viel zusammen gespielt. Aber hier war es etwas anderes: Wir mussten in kürzester Zeit ein vollständig neues Programm erarbeiten mit weitgehend unbekannten Werken, die allesamt rhythmisch im Zusammenspiel sehr kniffelig waren. Wir wollten es nicht nur "korrekt" spielen und so mussten wir uns etwas einfallen lassen, denn Zeit für ein "normales" intensives Studium war einfach nicht drin!

Wir setzten uns ins Probezimmer, möglichst weit weg voneinander. Wir begannen mit den Rollen unter den Füßen sehr exakt auf den Grundrhythmus zu achten. Dieser musste zwischen uns beiden abgestimmt und unser Spielen darauf ausgerichtet sein. Schwierig war das, wirklich sehr schwierig, weil es so exakt sein musste. Das hat uns damals einen riesigen Schub gegeben, wir hatten so viel Spaß beim Konzert. Rückwirkend betrachtet war das nur der Beginn: Seither probieren wir fast wöchentlich neue Sachen damit aus und integrieren sie in all unsere Arbeit. Die Effekte sind enorm, auch heute noch. Die Füße mit den Rollen zu massieren klingt zugegebenermaßen "komisch" aber wenn man dadurch viel schneller zu einem sehr viel besseren Ergebnis kommt und dabei noch unglaublich viel Spaß hat, ist das Grund genug, immer weiter zu experimentieren und andere darauf aufmerksam zu machen.