Fingerfall und Fingeraufsatz mit dem ResoundingFingerboard

Rückfragen von Kolleg:innen zu den Themen Fingerfall, Fingerdruck und Fingeraufsatz mit dem ResoundingFingerboard werden auf dieser Seite von ema zusammengefasst dargestellt, kommentiert und ggf. mit einer Empfehlung versehen.

Was tun mit jungen Anfänger:innen?

Es gibt Rückfragen, was man mit den ganz frischen Anfänger:innen alles tun kann. Es wird davon berichtet, dass versucht wird, die Finger einfach auf die Noppen zu stellen oder bestimmte Abfolgen der Finger auf den Noppen zu greifen. Es kam auch die Frage auf, ob es schädlich ist, wenn die Kinder durch die Noppen nicht den "richtigen" Fingerabstand lernen.

ema Kommentar
Grundsätzlich ist es möglich, einfach die Finger auf die Noppen zu stellen. Wenn man dabei eine korrekte Instrumentalhaltung hat und einfach ein bisschen den linken Arm hin- und her schwingt (z.B. seitlich), kann man davon ausgehen, dass sich bereits Effekte einstellen und die Finger, die auf den Noppen stehen, nachher anders auf den Saiten stehen. Das lässt sich gut von außen beobachten. Fragt man die Schüler:innen nach einem vorher/hinterher Unterschied (wichtig: qualitativ beschreiben lassen!) kann man gleichzeitig anregen, sich das Spielgefühl zu merken, um es später wieder abrufen zu können. Folgende Beschreibungen hört man oft: es fühlt sich leichter an; es geht leichter im Finger.

Für junge Kinder ist das aber nur wenig "attraktiv", das macht ja schliesslich keinen Spaß. Deshalb ist die Idee, bestimmte Fingerabfolgen greifen zu lassen, schon sehr gut. Dies kann man sehr gut koppeln z.B. an ein Lied, was man gerade übt, indem man die benötige Fingerfolge dann auf den Noppen nachgreift. Nur sollte man sich dann eine Lösung überlegen, was man statt der leeren Saite tut (z.B. Klatschen mit rechts auf den Oberschenkel, einen Schritt machen, etwas sagen o.ä.), denn diese Art des Übens kann u. U. sehr intensiv sein und sich sehr gut einprägen (was ja von großem Vorteil ist!). Wenn man diesen Effekt positiv nutzen möchte, sollte die leere Saite nicht einfach nur ausgelassen werden. Übrigens: Dies lässt sich auch in einem nächsten Schritt ergänzen um den richtigen Rhythmus (des Liedes)... Man kann dabei auch sprechen, gehen o.ä.. Viele Kinder spricht dies an, weil es eine unmittelbare Verknüpfung zu dem hat, was sie eh gerade üben. Aus Lehrer:innen-Perspektive ist es wertvoll, weil die Kinder dann von Anfang an wie selbstverständlich aufnehmen, dass "Üben" mehr ist, als einfach nur "Durchspielen".

Ist es schädlich, wenn man nicht die korrekten Fingerabstände benutzt? Nein! Es ist sogar eine sehr große Erleichterung, dass man überhaupt nicht auf Fingerabstände achten muss. Mögliche vorhandene Hemmungen, unkontrolliertes Hin- und Herschieben der Finger und die Angst, falsch zu greifen verschwinden, während zeitgleich an einer exakten, beweglichen und stabilen Fingertechnik gearbeitet wird. Das ist vermutlich einer der größten Geschenke, die der Griffbrettaufsatz verteilt, denn wir Lehrer:innen müssen unseren Schüler:innen nicht sagen, dass sie nicht an den rosa Elefanten denken sollen (im übertragenen Sinne!).

ema Empfehlung:

Unserer Erfahrung nach ist das "einfache Nachgreifen" nicht für alle Kinder interessant genug, obschon wir noch nicht erlebt haben, dass es jemand nicht gar nicht tun wollte. Wir möchten gerne empfehlen, den Griffbrettaufsatz zu kombinieren mit Rhythmuslernen bzw. mit dem Aufbau der Grundkoordination für Linke-Hand-Technik. Hierzu eignen sich eine ganze Reihe von Übungen, bei denen man dann auch gleich etwas hören kann (u.U. ist das wichtig für die Kinder). Am besten eigenen sich Übungen, bei denen man gleichzeitig einen/mehrere Standfinger einführt.

Gegriffen wird zunächst ungefähr auf der Höhe der 4. Lage. Benötigt wird dazu ein

  1. (passender) Rhythmus (aus einem Rhythmusheft, der Rhythmus eines Liedes/Stück, das man gerade spielt o.ä.),
  2. der Griffbrettaufsatz auf dem Instrument

Beispiel BASIC 1 [mit Rhythmus notiert auf 1 Linie]:

  • Ein Finger der Wahl wird auf einer Noppe der Wahl positioniert. Dieser Finger steht während der ganzen Sequenz auf der Noppe.
  • Nun wird ein zweiter Finger ausgewählt (z.B. Schüler:in wählt). Dieser zupft den Rhythmus mit links auf einer Saite nach Wahl.
  • Optional: Danach kommen die anderen Saiten und anderen Finger dran
  • Optional: Danach kommen zwei/drei/vier Saiten im Wechsel dran

Option: Man kann auch statt einen Finger auf der Noppe, drei Finger auf die Noppen verteilen und dann den übrigen Finger zupfen lassen. Beide Versionen haben ihre Vorteile.

Beispiel BASIC 2 [mit Rhythmus von einem Lied/Stück]:

  • Ein Finger der Wahl wird auf einer Noppe der Wahl positioniert. Dieser Finger bleibt während der ganzen Sequenz auf der Noppe
  • Mit einem anderen Finger wird der Rhythmus so gezupft, dass jeweils die Saite erklingt, auf der gegriffen würde. Die leere Saite wird gesprochen, mit rechts geklopft o.ä.
  • Danach werden alle Fingerkombinationen geübt
  • Nächster Schritt ohne Griffbrettaufsatz: Wenn jeder Finger mal der Standfinger auf einer Noppe war, zupft der jeweils greifende Finger die Saite, auf der er das Lied/Stück greifen würde.

Hinweise zu BASIC 1 und 2:

Durch das unmittelbare Zusammentreffen von Rhythmus, Fingerdruck und "Loslassen" in der Originalhaltung kann es sinnvoll sein, anfangs nicht auf den korrekten "Rhythmus" zu bestehen, sondern zunächst (BASIC 1) nur Viertelnoten (ohne die Notwendigkeit des gleichzeitigen Lesens) oder Viertel- und zwei Achtelnoten im Wechsel zu zupfen. Kinder finden es auch toll, wenn ihre Lehrer:in etwas zupft und sie dann das Echo sein dürfen o.ä. [Hierzu gibt es eine Empfehlung: Bei Echo-Spielen sollte Lehrer:in und Schüler:in gleich ausgestattet sein, also ebenfalls ihr Griffbrettaufsatz montiert haben]. Dann im nächsten Schritt kann meistens auch der Rhythmus direkt eingeführt werden.

Diese Art des Zupfens ist eine der besten "Mittel", die Angst vor dem Lagenspiel gar nicht erst aufkommen zu lassen. Wenn die Kinder direkt von Anfang an sich frei über das Griffbrett bewegen und ihre "Rhythmen" dort zupfen können, ist es für sie nachher nichts Unbekanntes mehr, vor dem man Angst haben müsste. Deshalb empfehlen wir, Übungen wie BASIC 1 und 2, gleich von Anfang an in unterschiedlichen Positionen zu machen. Der Griffbrettaufsatz kann dafür natürlich auch versetzt werden, oft reicht es aber auch, einfach eine andere Noppe für den Standfinger zu wählen. Eine systematische Einführung kann hier eingesehen werden: 

>>Zur systematischen Einführung<<